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  • David Zwick

Strukturieren und Schreiben

Es gibt unterschiedliche Methoden bzw. Techniken wie ein Buch geplottet werden kann (auf Software-Hilfsmittel werde ich in einem späteren Beitrag eingehen). Darüber hinaus gibt es mittlerweile viele interessante Blogs oder Ratgeber, die sich zwecks Inspiration lohnen reinzuschauen. Ich will hier keinem vorgeben, wie ein optimaler Weg auszusehen hat. Vielmehr möchte ich meine Erfahrungen teilen, um einige Anregungen zu geben. Ohnehin bin ich der Meinung, dass es keine allgemeingültigen Regeln gibt, denn jeder arbeitet am effektivsten unter seinen Bedingungen und demnach sollte selbst entschieden werden, was und wie viel man an allgemeingültiger Methodik übernimmt.

Ich persönlich gehe keiner bestimmter Methode oder Technik nach, sondern plotte und strukturiere so, wie ich mich wohl dabei fühle. Ich setzte mir Konflikte und Wendungen je nachdem, wie mir das Gefühl dabei vorsagt und dies meiner Meinung nach zu der jeweiligen Geschichte passt. Dabei kann es sein, dass ich bereits die letzten paar Kapiteln durchstrukturiert habe und hingegen den mittleren Teil noch relativ offengelassen habe. Je nach Umfang und Komplexität der Thematik, strukturiere den grundsätzlichen Rahmen, die Hauptcharaktere und die grobe Handlung. In Stichpunkten oder in kurzen Sätzen gebe ich hierbei jedem Kapitel eine Daseinsberechtigung mit unterschiedlichen Details, Charaktermerkmalen, Orte oder spannende Szenen. Jedes Kapitel wächst dabei unterschiedlich schnell oder wechselt seinen Platz in der Geschichte. Dabei muss ich eingestehen, dass ich es bisher noch nie geschafft habe, jedes Kapitel detailgenau von Anfang bis Ende mir selbst vorzugeben.


Strukturjunkie oder Freestyler?

Meine Idee steht fest und verfügt bereits über unzählige Notizen zu Charakteren, Handlungsort oder Konflikten. Auch befinden sich zu diesem Stand in gesonderten Ordnern besondere Ereignisse, Wendungen, oder andere Highlights zu den jeweils möglichen Kapiteln. Dabei ist mir besonders wichtig, dass die Reihenfolge meiner Notizen stimmig ist. Das heißt: Jedes Gespräch, jedes Aufeinandertreffen und jeder Konflikt hat seinen vorbestimmten Platz. Die gesamte Strukturierung der Notizen ist natürlich abhängig vom Umfang und Komplexität der Geschichte. Bei meinem aktuellen Projekt musste ich beispielsweise gesonderte Ordner mit den vielen Charakteren und den örtlichen Gegebenheiten anlegen, um diese beim Schreiben stets parat zu haben und mich dadurch schneller zurechtfinden zu können.

Hier ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mit dem aktiven Schreiben anfange. Ich fühle mich dabei mit dem ersten Kapitel in die Thematik hinein. Meist kommen mir dabei noch andere Ideen zum weiteren Verlauf. Es ist auch so, dass ich persönlich beim Schreiben nochmal ein besseres Gefühl dafür bekomme, wohin die Reise geht. Dabei passiert es nicht selten, dass Notizen verworfen oder komplett in eine andere Richtung umgeändert werden. Beim Schreiben werfe ich immer wieder einen Kontroll-Blick auf meine Notizen, sodass mir keine gute Idee, die ich einmal notiert habe, entgeht. Allerdings kam dies selten vor, da sich all meine Notizen schon zu Beginn wie ein Film in meinem Kopf abspielt und sich die jeweiligen Notizen in meinem Gedächtnis wie Szenen darin eingefügt haben. Trotzdem sind mir meine Notizen heilig und es wäre schlimm für mich, wenn mir ein guter Einfall verloren gehen würde. Unter meinem geschriebenen Fließtext befinden sich generell immer einzelne Stichpunkte oder Sätze, die den unmittelbar kommenden Verlauf beschreiben. Das kommt daher, dass ich kurz vorm Beendigen meiner Schreibsession feststelle, dass ich im Kopf bereits mehrere Schritte voraus bin aber diese nicht verlieren möchte. Letztlich muss jeder selbst in seiner Arbeitsweise entscheiden, inwieweit er jeden einzelnen Schritt, nur den groben Rahmen oder überhaupt nicht vorab strukturieren möchte.


Wie umfangreich soll mein Buch werden?

Ich muss zugeben, dass ich kurz vor der Veröffentlichung ein wenig die Befürchtung hatte, dass mein Buch mit dem Umfang von 204 Seiten dadurch als »minderwertig« angesehen werden könnte. Ich hatte bis zum Ende meiner Geschichte keine Vorstellungen, welchen genauen Umfang es letztlich besitzen wird. Meine Geschichte war zu Ende erzählt und auch nach Lektorat/Korrektorat standen keine seitenfüllenden inhaltlichen Ergänzungen mehr im Raum. Dennoch fragte ich mich, nachdem ich bei der Vorformatierung den ungefähren Umfang vor Augen hatte: »Sollte ich noch einiges ausschmücken oder etwas länger erklären, um noch mehr Umfang zu erhalten?« Warum habe ich diese Befürchtung trotz meiner Überzeugung vom Inhalt?

Vorab muss ich erklären, dass ich selbst ungern blumigen Ausschweifungen lese und schreibe. Auch auf umfassende Erklärungen nebensächlicher/ausschmückender Dinge verzichte ich nicht selten bewusst. Letztlich ist es eine stilistische Frage, inwieweit dein Umfang dadurch geprägt ist. Worauf ich hinaus will, hat weniger mit Stil oder Ausdruck zu tun, sondern mit einem (vermuteten) Markttrend. Ich persönlich habe den Eindruck gewonnen, dass eine Entwicklung zu beobachten ist, Bücher müssten immer umfangreicher werden, sodass erst dann eine Wertigkeit im Hinblick auf Kaufbereitschaft gegeben ist. Viele (wie auch ich zu Anfang) befürchten wohl, die Kunden würden ihre Bereitschaft den Preis zu bezahlen, mitunter am Umfang ausmachen. Das zeigt alleine schon den fraglichen Zusatz in vielen Titeln »Titel: Roman«. Danke, dass der Autor mir damit sagt, dass es sich hierbei um einen Roman handelt und kein Sachbuch (Achtung: Ironie). Ich habe nicht die Absicht, jemanden zu kritisieren, dessen Buch 700 Seiten oder diesen angesprochenen Zusatz in der Beschreibung hat. Ich möchte lediglich meine unbegründete Angst und einen befürchteten Zugzwang schildern. Der Werte eines Buches ergibt sich für mich zunächst aus dem Cover, der Originalität der Geschichte, eines ansprechenden Klappentextes und letztlich aus dem Inhalt. Auch mit »nur« 204 Seiten ist mein Buch gut so wie es ist und meines Erachtens jeden Cent wert. Das Thema Preis und die dazu gehörige Marktentwicklung sind zusammengefasst ein ganz eigenes Thema, das ich vielleicht einmal aufgreifen werde.


Kannst du auch diesen Trend beobachten oder hattest schon einmal befürchtet, dass dein Buch zu kurz ist?

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